Im Zusammenhang mit der Geschichte des Ersten Weltkrieges wird der Bezug zu den riesigen Lagern der früheren Donaumonarchie in der Nähe der Orte Purgstall und Wieselburg untersucht. Auf grundlegende geografische, militärische, medizinische, architektonische und ökonomische Leitgedanken, wird eingegangen. Die Anordnung der baulichen Anlagen ist, verglichen mit späteren Konzentrationslagern oder " Gulags ", großzügig. Allerdings fallen auch in Niederösterreich Tausende von Männern dem Hunger und verheerenden Seuchen zum Opfer. Es bleibt offen, inwieweit die längerdauernde Gefangensetzung einen humanitären Fortschritt gegenüber früheren Kriegsbräuchen bedeutet und wo ihre Gefahren liegen.
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Die Sieger halten die Gefangenen für
ein ständiges Risiko. Die geschlossene, in sich stimmige
Denkwelt der Internierung wird vorgeführt. Besondere
Aufmerksamkeit finden die selbstbewußt nutznießenden
Organisatoren und Bewacher. Sie befürchten die Ausbreitung von
Krankheitserregern. Auf die Nachbarschaft könnten Epidemien
von der Vielzahl der Fremden übertragen werden. Ihr seelischer
Zustand ist besonders gefährlich. Sie sind der Desertion, der
übermäßigen Friedenssehnsucht, des mangelnden
Kampfeswillens und Einsatzes für den eigenen Herrscher
verdächtig.
Zweck der Propaganda ist es, Macht über Köpfe und Herzen zu gewinnen. Sie soll fesseln, soll zielstrebig die Einbildungskraft ausbeuten. Ihre Erfindungen müssen mit tiefsitzenden inneren Vorstellungen, Wünschen und Ängsten verbunden werden. So läßt sich bereits die Wahrnehmung einer tatsächlichen Begebenheit formen. Die Wirklichkeit wird zum Rohstoff, der massenhaft regelrecht verarbeitet und absichtsvoll geformt werden kann. Es wird demonstriert, wie human und tadellos die Regeln der Haager Landkriegsordnung in der Donaumonarchie in die Tat umgesetzt werden. Nur selten eröffnet sich zwischen arrangierten Aufnahmen von gut funktionierenden Versorgungseinrichtungen, Weihnachtsfeiern und und Musikkapellen ein unverstellter Blick auf das tatsächliche Leben der Internierten. Eine kleine Elite frontferner Offiziere entwickelt Traumgebilde an effizienter Planung, mustergültiger Organisation, perfekter Beherrschung selbstgeschaffener umfangreicher Verwaltungsaufgaben. Es werden totalitäre Phantasien gesponnen, die in den Todeslagern des nächsten Weltkrieges, wie im nahen Mauthausen, ihre Vollendung finden.
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Der Film beruht auf dem Buch " Gefangen unter Habsburgs Krone " von Franz Wiesenhofer. Der Feuerwehr - Oberverwalter will die " Aufarbeitung der Geschichte. " Seine Arbeit wird in der Gemeinde anerkannt. Seine Forschungen werden aufmerksam verfolgt und unterstützt. .Die Regionalpresse berichtet regelmäßig. Wiesenhofer kennt die Kassiber, die in Geheimschrift verschlüsselt, an der Zensur vorbei aus dem Lager geschmuggelt wurden. Er kennt die Verschlußakten, in denen vom Hunger der Insassen die Rede ist, in denen Mangelkrankheiten als Todesursache belegt werden. Er kennt die Pannen, die sich einstellen mußten, wenn unfähige Heimkrieger mit Macht über Zehntausende ausgestattet wurden. Er kennt Phonogrammaufnahmen, auf denen Gefangene erzählen oder singen und musizieren. Er kennt Filmaufnahmen aus den Lagern. Er hat die Fotoalben, Lagepläne und Berichte der militärischen Dienststellen ausgewertet. Sie sind Propagandaobjekte, die immer wieder ausländischen Delegationen vorgeführt werden können. Er hat Einwohner nach Erinnerungen zum " Russenlager " befragt. Noch heute sind im Ort Fälle von Korruption bekannt, bei denen sich Einheimische an der Not im Lager bereicherten. Selbst das elegante, großzügig angelegte Kommandogebäude, von dessen Altane das Gefangenenlager zu überblicken war, ist erhalten.
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Wer aus der Geschichte lernen will, hat immer diese beiden Gesichter vor sich. Zuverlässig und gesichert Geglaubtes wird fragwürdig. Es bleibt schwierig, zu verstehen, sich zu verständigen. Erst wenn Aussagen verglichen werden können, wächst die Sicherheit. Lautstarke Überzeugungen ernten Mißtrauen. Stille Beobachtungen vom Rande erweisen sich als wertvoll. Erst wenn man die Erzählenden kennenlernt, lernt man, den Sinn ihrer Botschaften einzuschätzen.
Beta SP 33'21''
Albert Ottenbacher Gotthardstr. 68 80689 München Tel. / FAX 089/563815