Bronzeguss

Es wird meist ein Gipsabguss der Tonplastik hergestellt. Schon beim Gießen der Gipsform kann man zwei verschiedene Wege gehen. Entweder wird die Form in zwei Teilen, einem vorderen Formteil und einem Rückenteil, abgegossen. Durch angelegte Tonwände oder durch bandartig aneinandergereihte Blechstücke, die in die weiche Tonfigur gesteckt werden, isoliert man beim Gipsantragen die beiden Formteile. Die Formteile werden zusammengebunden wie zu einem Topf, der dann mit Gips ausgegossen wird. Auf der Standfläche muss eine Öffnung freigelassen werden.  Durch ein Isoliermittel wie Schellack, Seife, oder auch durch sorgfältiges Durchfeuchten unterbindet man eine Verbindung von Form und Ausguss. Die Form wird dann mit Hammer und Meißel vom Abguss abgeschlagen, geht also verloren. Man sprichnt vom Verfahren der "verlorenen Form". Oder man grenzt durch Tonwände solche Stücke der Plastikoberfläche ab und gießt sie mit Gips aus, die vollkommen konisch geformt sind. Das Formstück lässt sich folglich von der Plastik abnehmen, ohne an vorspringenden Teilen - etwa Nase, Ohr - hängen zu bleiben. Eine solche "Stückform" wird also aus vielen konischen Teilen zusammengesetzt, die sich nach dem Guss abnehmen lassen. Die Form bleibt erhalten. Im Abguss des Kopfes für das Denkmal des Gattamelata sind deutlich Fehlstellen zu erkennen, die von Lufteinschlüssen im feuchten Gips stammen. Vom Tonoriginal wurde eine zerlegbare Negativform hergestellt, aus der dieses Positiv gewonnnen wurde.

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Der Bronzeguss wird in der Gießhütte durchgeführt. Anfangs wird das Metall im primitiven Renn-Gebläse-Erdofen gewonnen und zur Weiterverarbeitung im Erd-Gebläse-Tiegelofen mit nur geringem Fassungsvermögen aufbereitet Für den antiken Großguss wird im 6. Jahrhundert v.Chr. der leistungsfähige Schachtherd-Schmelzofen entwickelt. Er besteht aus dem Schachtherd mit Sohle und dem Gichttopf. Der Schachtherd ist aus Ziegeln oberirdisch aufgemauert und dient zur Aufnahme der abwechselnd geschichteten Metall- und Holzkohlelagen. Der tönerne Gichttopf bildet den Abschluss des Ofens. Er ist durch verschieden breite Ringe verschließbar, so dass der Gichtgasabstrom geregelt werden konnte. Die heißen Gichtgase wärmen dabei die Zuschlagmetalle vor, die sich im Gichttopf befinden und später zugegeben werden. Die Frischluft zur Temperatursteigerung wird durch ein Blasebalgsystem, nämlich zwei Bälge und ein Reservoir, was einen ununterbrochenen Luftstrom gewährleistet, erzeugt und seitlich in den Ofen geleitet. Das geschmolzene Metall sammelt sich auf der Sohle des Ofens und fließt durch das Stichloch, nach dem Abstich über die Gussrinne in die Gussform, die sich in der Erde in der sogenannten Dammgrube befindet.

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In der Dammgrube, über der der Schmelzofen aufgebaut ist, geht der Guss nach monatelanger Vorbereitung in Minutenkürze vor sich. Die wächserne Form geht verloren A Gicht-Verschluss, B Einfülltrichter (Vorwärmer), C Wechselnde Schichten von Holzkohle und Metall, D Stichloch, E Windlöcher, F Doppelgebläse, G Dammgrube, H Gusskanäle, I Kernluftkanäle, K Luftkanäle, L Damm, M Mantel

Bronze ist eine Legierung von Kupfer, Zinn, Blei und teilweise Zink. Kupfer hat den Hauptanteil (60-85%) Das  Mischungsverhältnis ist zu den verschiedenen Zeiten leicht abgeändert worden. Im Barock benutzt man teils auch Zink und Blei für den Guss von Plastiken, wohl des weicheren Glanzes wegen.  Bereits in vorgeschichtlicher Bronzezeit wird die feuerflüssige Mischung aus Kupfer und Zinn in zusammengesetzte vorgefertigte Hohlformen aus Stein oder Ton gegossen. Mit solchen Stückformen lassen sich Auflagen von Werkzeugen oder kleineren Gebrauchs- und Schmuckgegenständen herstellen. Meistens wendet man die Wachstechnik zur Herstellung gegossener Gegenstände an. Dieses auch heute noch in der Gusstechnik angewandte Verfahren besteht darin, dass man zunächst aus Lehm einen Körper formt, der dem inneren Hohlraum des anzufertigenden Gussstückes entspricht. Dann modelliert man aus einer Mischung von Wachs oder Talg über dem sogenannten Kern das später aus Bronze zu gießende Stück. Wachs hat in der Farbe und in der dichten, glatten Oberfläche eine Wirkung, die der des Metalls gleich ist, so dass der Plastiker bei seiner Arbeit die Wirkung der fertigen Metallfigur schon herausholen kann. Will man etwa eine Glocke anfertigen, so wird zunächst ein Kern geformt, der dem inneren Hohlraum der Glocke entspricht. Darüber wird dann eine Glocke aus Fett und Talg modelliert und mit allen Inschriften und Verzierungen versehen. Über diese aus Fett hergestellte Glocke wird ein dicker Mantel aus Lehm gelegt und mit Eisenbändern zusammengehalten. Es wird um das Modell in Formerde die Form aufgebaut und getrocknet. Wenn man dann den Kern und den Mantel zum Zwecke des Trocknens über ein Feuer bringt, fließt die aus Fett modellierte Glocke aus. Das Wachs wird ausgeschmolzen, so dass Guss- und Luftkanäle und die Gussschicht sich mit Luft füllen. Jetzt kann in den auf diese Weise entstandenen Hohlraum das Glockenmetall eingegossen werden. 

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Leonardo da Vinci, Skizze zum Guss des Denkmals für Francesco Sforza

Großplastiken werden seit der griechischen Antike im Wachsausschmelzverfahren mit verlorenem Modell hergestellt, wobei Formmantel, Gussraum (bzw. Wachsmodell) und Formkern zu unterscheiden sind. Zunächst modelliert der Künstler aus feuerfestem Material wie Ton über einem Eisengerüst den Kern, der annähernd die Form der zu gießenden Figur hat. Auf diesen Kern wird eine 3-5 mm starke Wachsschicht, die der späteren Gusswandstärke entspricht, aufgetragen und bis in alle Details durchgestaltet, »bossiert«. Um das Wachs entfernen und die Bronze eingießen zu können, muss ein umfangreiches und kompliziertes Röhrensystem aus Wachs gefertigt und an die Modellschicht angeschmolzen werden. Die Angusskanäle fallen bis zum tiefsten Punkt der Form. Auch die Hauptkanäle für die entweichende Luft reichen von den sogenannten Windfpeifen über der Gussform bis zum tiefsten Punkt der Form. Die Stichkanäle für das Erz steigen zum Modell hin leicht an. Die Stichkanäle für die Abluft fallen dagegen zum Modell hin ab, so dass der Gussvorgang durchweg steigend geschehen kann. Um das Ganze wird der Formmantel aus Ton gelegt. Die Gießform muss aus gut modellierbarem Material bestehen, das die Feinheiten des Modells voll wiedergibt, sowie feuerfest und haltbar sein. Am besten eignet sich tonhaltiger Sand, für den Mantel fein und fett, für den Kern grob und mager. Außerdem werden zur besseren Bindung scharfkantiges Material wie Ziegelmehl zugesetzt. Um eine größere Porosität des Formmaterials, also eine Eigenentlüftung zu erreichen, werden organische Stoffe etwa Kälberhaare, Stroh, oder Dung untergemischt. Der Plastiker kann das Verfahren vereinfachen, indem er die Plastik hohl in Wachs aufbaut. Die Stärke der Wachsschicht ist dann gleich der Stärke der Bronzewandung. Gespaltenes Bambusrohr, Peddigrohr und feine Holzleisten können zu einer inneren Hilfskonstruktion beim Hohlaufbau dienen. Sie verbrennen beim Wachsausschmelzen. Das Wachsoriginal geht bei dieser Technik verloren. Der Guss ist also einmalig.

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Ein Rohmodell der Statue wird angefertigt, das als Stütze für den Ton Eisenstäbe oder ein Drahtgerüst enthält. Auf das Tonmodell wird Bienenwachs aufgetragen und zwar in der Dicke, die später der Bronzeguss haben soll. zu sehen sind anmodellierte Zuleitungen für die erhitzte Bronze sowie Abluftkanäle Francois Girardon: Bronzemodell für ein Denkmal Ludwigs XIV. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen Das fertige Modell wird mit mehreren Schichten aus Ton ummantelt, wobei die Zuleitungen für das flüssige Erz und die Ableitungen für die entweichende Luft sorgfältig angelegt werden müssen. Lange Eisenstäbe quer durch das Modell und die Ummantelung fixieren beide. Das ummantelte Modell wird in eine Gießgrubeabgesenkt, sodass kein Teil über den Erdboden hinausragt. Es ruht auf dem Boden der Grube auf einem Podest aus Ton oder Lehm.

Schließlich wird der Gussblock ummauert oder mit Schamotte und. Formsand derart eingepackt, dass der Mantel dem Druck des einströmenden Metalls standhält. Die Giesgrube wird mit Erde aufgefüllt, um die Form vor dem Zerspringen zu bewahren, wenn das Erz eingegossen wird. Damit Kern und Mantel beim Gussvorgang ihre gegenseitige Lage präzise bewahren, bohrt man durch beide Eisenstangen als Stabilisatoren. Nach dem Abbinden, dem Erhärten des Mantelmaterials wird das Wachs ausgeschmolzen und die ganze Form geglüht. Das Wachsmodell geht also verloren, zwischen Kern und Mantel entsteht der Gusshohlraum. Die Bronze, eine Legierung aus durchschnittlich 90% Kupfer und 10%Zinn wird in Schachtöfen oder Tiegelöfen geschmolzen und in den Eingusstrichter der Form gegossen. Mit Hilfe von Blasebälgen werden die notwendigen Temperaturen von etwa 1000 Grad Celsius erreicht. Die flüssige Bronze steigt beim Guss vom tiefsten Punkt der Angusskanäle durch die Stichkanäle in den Gussraum und von dort in die Luftkanäle, sodass am Ende sowohl der Hohlraum zwischen Kern und Mantel als auch alle Kanäle mit Erz gefüllt sind. Sobald das Erz erkaltet ist, wird die Gießgrube aufgedeckt. Nach dem Erkalten der Bronze zerschlägt man den Formmantel, sägt mitgegossene Einfüll- und Abluftkanäle sowie die Stabilisatoren ab und entfernt aus dem Inneren der Plastik durch eigens offengelassene Stellen den Formkern mit dem stützenden Innengerüst. Der Tonmantel wird zerschlagen und das Gussstück ans Licht gebracht. Hohlplastiken lassen sich auch in Teilen gießen, die dann mittels Nieten oder Schrauben zusammenmontiert (Kaltstückung) auch verschweißt oder verlötet werden (Warmstückung). Die griechischen Großbronzen sind alle in Kaltstückung aus mehreren Teilen wie Rumpf, Gliedmaßen, Kopf, und Attributen zusammengesetzt. 

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Zur Einformung vorbereitetes Wachsmodell für ein Denkmal Ludwigs XV. Die Kernstützstäbe sind deutlich erkennbar, ebenso die aus Wachs gebildeten Einguss- und Luftkanäle. Letztere sind durch Rauchbildung gekennzeichnet. Das Modell wird erhitzt und ausgeglüht bis das Wachs schmilzt und durch eine vorgesehene Öffnung ausfließt und die Hohlräume für das Metall freigibt. 

Einguss- und Luftkanäle am roh ausgeführten Bronzeguss. Die Bronze ist noch nicht gesäubert und patiniert. Am fertigen Guss müssen noch Nähte, Überstände der Gussröhren abgesägt und geglättet, »ziseliert« werden.

Reiterstandbild des Marc Aurel, Rom, Kapitol, 173 n. Chr.

In der Werkstatt kann nun die "Kaltarbeit", die Weiterbehandlung des Gussrohlings beginnen. Die gegossene Plastik wird noch mit Meißeln, Punzen, Sticheln und Schaber bearbeitet werden, um die volle, dichte metallische Rundung herauszuarbeiten. Haare, Fingernägel, oder Augen werden mit Stichel und Meißel plastisch herausgebildet. Diese Nachbereitung wird in der Antike als Toreutik für einen wesentlichen Teil der Formgebung gehalten. Sie holt die volle Metallwirkung und die rein klingende Rundung heraus. Die im Laufe der Zeit auf antiken Bronzefiguren entstandene grünliche Oxydierung , die "Patina" verfälscht also den Zustand der Originale, wie ihn der Künstler gewollt hatte. Es kann auch eine künstliche Patina hergestellt werden, um den Metallglanz zu dämpfen, weil man in der matten Bronze die Oberflächenwirkung des Tons anstrebt.

 

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Das eherne Standbild des Gattamelata in Padua, Donatello, 1450 Andrea Verrochio, David Verrochio, Geflügelter Putto mit dem Delphin, um 1470, Florenz, Bargello Verrochio, Giuliano de' Medici

auf den Zanipolo

in eine moderne Kunstgießerei