Camera obscura
In der Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts wird die Camera obscura eingesetzt. Das Zeichenzelt mit einem periskopartigen Aufsatz ist schon wesentlich einfacher zu transportieren, als die "Zeichensänfte", die eine vornehme Spielerei gewesen sein muß. Es sind Spiegelreflexgeräte erhalten, die das Bild von hinten durch eine Glasscheibe auf das Zeichenblatt projizieren.
Eine solche Vorrichtung wirkt als verbesserter Motivsucher. Sie läßt das Objekt der Betrachtung verfremdet, auf dem Kopf stehend, stets bedroht von störenden Reflexen und Schatten beobachten. Sie schärft den Blick, läßt auf der zauberhaften Mattscheibe die Szenerie in einem neuen Licht erstrahlen.Die richtige Wiedergabe der Proportionen, komplizierte perspektivische Konstruktionen bei gekrümmten Oberflächen, die genaue Bestimmung von Schlagschatten werden erleichtert. Auf diese Weise lassen sich Einzelbeobachtungen von verblüffender Exaktheit sammeln.
Die optische erleichterte Wiedergabe eines großangelegten Prospektes, die von der "Zeichensänfte" vorgegaukelt wird, bleibt eine leere Versprechung. Die wohldurchdachte Bildkomposition und der einheitliche Aufbau des landschaftlichen Raumes sind dem künstlerischen Fachwissen, der Erfahrung und der Intuition vorbehalten.