Hypnerotomachia Poliphili

 

Die Hypnerotomachia Poliphili, der im Traumland ausgestandene Kampf des Poliphilus, erscheint 1499 zum ersten Mal. Sie ist ein Höhepunkt der Buchkunst der Renaissance. Schrifttype, Initialen und Illustrationen harmonieren in allen Einzelheiten. Die Ausgabe der Werkstatt des berühmten Druckers und Humanisten Aldus Manutius wird besonders wegen ihrer schönen Holzschnitte geschätzt. Der Holzschneider bleibt unbekannt. Seinem klaren und eleganten Linienstil lassen sich jedoch eine große Anzahl weiterer venezianischer Holzschnitte zuordnen. Autor ist der im Jahre 1433 in Treviso geborene Colonna, ein Dominikanermönch im Kloster SS. Giovanni e Paolo in Venedig. Die Hypnerotomachia ist 1467 datiert. Wahrscheinlich hat Colonna bis zu ihrem Erscheinen daran weitergearbeitet. Die phantastische Handlung führt in einer Wanderung, wie in Dantes Göttlicher Komödie, den Helden durch zahlreiche Episoden. Die Traditionen des Minneromans und vor allem gelehrtes archäologisches Wissen werden verarbeitet. Die Schrift ist eine vollendete Antiqua. Sie wird von Francesco Griffo entworfen, geschnitten und für dieses Buch zum ersten Mal verwendet. Später wird sie von Garamond in Paris und Caslon in London abgewandelt.

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Breite einer Originalseite 12,9 cm

Die Sprache und die Namen des allegorischen Romans sind ein phantastische Gemisch aus Italienisch, Lateinisch und Griechisch. Auf den im Text enthaltenen präzisen Beschreibungen fußend, bringen die Bilder zahlreiche Darstellungen antikisierender, die ein Studium Vitruvs erkennen lassen. Die meisten der beschriebenen Bauten sind antiker Art. Die Denkmäler sind mit lateinischen und griechischen Inschriften versehen oder mit Hieroglyphen, die der Autor gewissenhaft überträgt und erläutert. Die  Kulthandlungen sind antiken Gottheiten gewidmet. Den bekanntesten Teil des Buches bilden die von Colonna beschriebenen "Hieroglyphen".  Die ägyptisierenden Phantasiebauwerke und Geheimschriften beflügeln die Vorstellungskraft der Zeitgenossen. Das Werk wird auch alchimistisch gedeutet. Aldus bringt die rätselhaften Bilderschriften und okkulten Zeichen in Mode, indem er eines von ihnen, den um den Anker geschlängelten Delphin, zum Druckersignet wählt.

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Die Ruinen von Polyandrion Die Pyramide

 Poliphilus durchwandert das Traumreich auf der Suche nach seiner Geliebten Polia, die an der Pest verstorben ist. Wenn er vor die Ruinen von Polyandrion, dem antiken Plutotempel, tritt, sagt Polia zu ihm: Betrachte eine Weile diese edlen Reste vergangener Größe und sieh, wie sie jetzt zerfallen sind und zu einem Haufen unbehauener, holperiger Steine wurden. In alter Zeit war es ein großartiger und prächtiger Tempel . . ." Colonna findet gerade an der Tatsache Gefallen, dass die allgegenwärtigen Überreste der Antike Ruinen und nichtvollständige Bauten sind. Ihren Verfall beschreibt er mit echter Teilnahme, und er benutzt sie als Vorwand für Betrachtungen über die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens und der Liebe sowie über den zerstörerischen Lauf der Zeit. Er treibt einen.sentimentalen und melancholischen Ruinenkult als Zeichen der Vergänglichkeit der Dinge und übt dadurch auf Architektur und Architekturtheorie, Gartenbaukunst, Emblematik und Buchkunst des 16. und 17.Jh. in Italien und Frankreich einen weitreichenden Einfluss aus

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