Libreria

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Einladend liegt die "Libreria", die heute "Biblioteca Nazionale Marciana" genannte  italienische Nationalbibliothek, auf dem Gemälde des Luca Carlevarijs vor uns. Rechts im Vordergrund bietet ein Antiquar auf einem Tisch seine Schriften an. Ein Leser hat sich auf einer Bücherkiste niedergelassen. Das Gebäude liegt westlich der Piazetta S. Marco.  Jacopo Sansovino durfte 1537 beginnen, ein Haus der Wissenschaft an so hervorragendem Platz zu errichten. Der Baumeister hatte durch die Sanierung der Kuppeln von San Marco sein Können dokumentiert und bekam den Auftrag für die Libreria vecchia, welche die gesammelten Bücher von Kardinal Bessarion da Trebisonda. aufnehmen sollte. Die angewachsene Bibliothek ist heute zudem untergebracht in der angrenzenden ehemaligen Münze, der vom gleichen Architekten errichteten Staatliche Münze, der "Zecca".  Der Innenhof der früheren Prägestätte der "Zechinen" dient als Lesesaal. Der Eingangsbereich führt aus dem hektischen Betrieb des großen Platzes durch elegante Arkaden in die Beschaulichkeit der wissenschaftlichen Nachforschungen, aus dem sonnigen Getümmel in die feierliche Begegnung mit großer Literatur, mit den originalen Quellen der Geschichte. Die beiden mächtigen Skulpturen gebieten Ehrfurcht und Ruhe.

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Die "Marciana" besitzt mit dem "Fondo Tursi" eine umfangreiche Bibliothek zur Reiseliteratur. Sie ist bedeutend für die Humanismusforschung, allgemein für Geistes- und Literaturwissenschaften, Musikwissenschaft und Geschichte. In ihr sind Erstdrucke und bibliophile Seltenheiten enthalten wie Ausgaben des Babylonischen Talmud, des Palästinensischen Talmud und des Koran vom Beginn des 16 Jahrhunderts. Der Bestand beweist, wie weltoffen und interessiert an neuen Gedanken die Stadt gewesen sein muß. Aus dem Jahre 1584 stammen die Werke des in Rom als Ketzer verbrannten Giordano Bruno "Della Causa principio et uno" und "Del infinito universo et mondi". Ein wenig älter ist die gedruckte Fassung von Marco Polos "Buch der Wunder". Er führt 1298  in der Seeschlacht von Curzola eine venezianische Galeere. Er gerät in zweijährige genuesische Gefangenschaft und nutzt die Zeit seiner Haft, um seine Erinnerungen an eine unglaubliche Reise zu diktieren. Marco Polo gibt 1307  eine überarbeitete Fassung seiner phantastischen Reiseerinnerungen heraus, die bis ins 16. Jahrhundert die geographischen Vorstellungen beherrscht. und 1477  ins Deutsche übersetzt wird. Der junge venezianische Patrizier begleitet in seinem legendären Reisebericht den Vater auf einer Handelsreise durch das von Mongolen beherrschte Zentralasien nach China.  Der Großkhan Khubilai ernennt den jungen Europäer zu seinem Präfekten. Marco Polo bereist im Auftrag des Mongolenherrschers China. Im Jahre 1292  tritt er die  Rückreise durch das Südchinesische Meer über Annam, Sumatra, Ceylon, Kalikut und Hormuz an.   

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Als Anreger dieser Bibliothek gilt Francesco Petrarca, dessen Büste im mittleren Bogen des Lesesaales steht. Über die Hafenstadt Venedig schreibt er : "Ich sehe Schiffe, so groß wie mein Haus, mit Masten, höher als Türme. Sie sind gleich Bergen, die auf Wasser schwimmen. Sie befahren jeden Teil des Erdkreises und trotzen unermesslichen Gefahren. Sie bringen Wein nach England, Honig nach Russland, Leinwand nach Assyrien, Öl nach Armenien, Holz nach Ägypten und Griechenland und kehren zurück, schwer beladen mit Erzeugnissen aller Art, die von hier aus in alle Weltgegenden verschickt werden." Petrarca verspricht der Stadt. seine Privatbibliothek und bekommt auch einen Palazzo an der nahen  Riva degli Schiavoni, in dem er in Ruhe forschen kann. Seine Bücher aber behält er für sich selbst. Wir lernen einige Musterbeispiele der venezianischen Buchkunst kennen. Petrarcas Gedichte sind noch von Hand geschrieben und verziert. Für die Tafel mit mönchischen Segengesten diente bereits eine Lindenholzplatte als Druckstock. Das Vorsatzblatt für den Bericht über die Entdeckung fremder Länder besteht aus drei Bestanteilen. Der mit grotesken Mischwesen und Ornamenten überzogene Rahmen lässt sich für andere Zwecke genauso verwenden, wie der Holzschnitt mit der Ansicht des Markusplatzes. Die Schrift ist mit beweglichen Lettern gesetzt.

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Francesco Petrarca, Sonetti e  triomphi, 1470 B. Lorenzo Giustiniano, Dottrina    della Vita monastica, 1494 Albertuito Vesputio Fiorentino,Paesi novamente ritrovati per la Navigatione di Spagna in Calicut, 1501

Für eines Ausgabe des Mathematikers Euklid aus dem Jahre 1517, die von Bartholdo Zamberti aus dem Altgriechischen in das Italienische übersetzt wurde, entwirft ein Holzschneider im Auftrag des Druckers Johannes Taccuinus ein "Kinderalphabet" für die Anfangsbuchstaben eines Kapitels. Die alte Überlieferung der Randzeichnungen, wie wir sie bei Petrarca kennengelernt haben, wird in der neuen Drucktechnik weiterentwickelt. Die antiken Zeugnisse der Schriftkunst der "Capitalis quadrata" werden am erhaltenen Triumphbogen oder auf der Grabplatte studiert und in das neue Medium übertragen. Die Buchstaben werden räumlich dargestellt, als ob sie in die Steinoberfläche gemeißelt wären. Tatsächlich sind sie vom Formschneider mit scharfem Messer in eine sauber gehobelte Lindenholzplatte eingekerbt worden. Selbst der Schattenwurf in den abgeschrägten Vertiefungen wird beachtet. Das verräumlichte Rankenwerk und die lebendig plastische Wiedergabe der Figuren beweisen, dass ein "rinascimento", die Wiedergeburt klassischer Ideale für das Publikum  kein Widerspruch zur neuesten Buchdruckerkunst ist.

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Nicolaus Jenson, Fabius Quintilianus, Venedig 1471, Ausschnitt einer Seite Johann Hammann, Choral-Notendruck in Rot und Schwarz aus dem Missale Romanum, Venedig 1493 Bartholomaeus de Zanis, Cicero, De officiis, Venedig 1538, Titelblatt in römischer Capitalis, Originalgröße 9,6 x 15,3 cm

In den "quattro libri" des Andrea Palladio, einem jahrhundertelang maßgebenden Werk über Architektur, das 1570 in Venedig erscheint, finden wir eine Fülle von Vorbildern für spätere Baumeister aus antiken Bauten und Texten.

In Diderots Enzyklopädie sehen wir, wie die Fundamente für ganze Paläste und Kirchen in den feuchten Schlick der Lagune gesetzt werden.

Außerdem erfahren wir bei ihm, wie die zahllosen Abbildungen seines Nachschlagewerkes in der Technik des Kupferstiches entstehen.

In der "Hypnerotomachia Poliphili" des Francesco Colonna gehen wir auf eine Reise durch die traumhaften Welten des späten Quattrocento..

In den " Discorsi sopra la Laguna" des Cristoforo Sabbadino aus dem Jahre 1543 lernen wir die uralte Diskussion Venedigs über seine Lagune kennen.

Cesare Vecellio zeigt uns in seinem Buch aus dem Jahre 1590 die "Antiken und modernen Gewänder der verschiedenen Erdteile"