Die Villa Rotonda südöstlich von Vicenza im Hügelgebiet des Monte Berico wird um 1566/67 von Palladio für den Kanonikus P. Almerico entworfen. Der Bauherr ist ein  gebildeter Theologe und hoher Beamter des päpstlichen Hofes. Die Inschrifttafeln über den mittleren Säulenstellungen beziehen sich auf den Grafen Capra, der später die Villa erwirbt und das Programm des ausgeführten Skulpturenschmucks ergänzt und erweitert. Zur Lage der tempelartigen Villa schreibt Palladio: "Der Ort ist schön gelegen und einer der lieblichsten und reizvollsten, die man finden kann; denn er liegt auf der Anhöhe eines Hügels, auf den man sehr leicht gelangt. Um ihn reihen sich die lieblichsten Hügel, die den Ausblick in ein riesiges Theater gewähren ... ; weil man sich auf alle vier Seiten hin der schönsten Aussicht erfreut, wurden auf allen Fassaden Loggien errichtet.". Nach Palladios Auffassung stammt die Schönheit "aus der schönen Form, aus der Übereinstimmung des Ganzen mit den Teilen, der Teile untereinander und mit dem Ganzen, so dass ein Gebäude als ein Körper mit fehlerlosen und vollkommenen Proportionen erscheint, an dem jedes Glied vom Standpunkt des ganzen Körpers notwendig ist."  

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Maß und Regel werden mit mathematischer Präzision am Grundriss vorgeführt. Symmetrieachsen spiegeln Gebäudeteile von magischer Gleichmäßigkeit. Im Schnittpunkt des vielfältigen Spiegelungen der Vierzahl, des Kreises und Quadrates liegt der alles überblickende  Zentralraum des Bauwerks. Die vier übergiebelten Säulenvorhallen nehmen die halbe Breite des kubischen Mittelbaus ein. Der halben Tiefe des Kernhauses entsprechen jeweils Säulenvorhallen und Treppen. Die Summe der vollkommen gleichmäßig gestalteten Portiken und Treppen bedeckt die gleiche Fläche wie der Hauptbau. Von jeder Seite führt ein schmaler, tonnengewölbter Gang in einen über kreisförmigem Grundriss errichteten Kuppelsaal. Im Gegensatz zu den übrigen Räumen nimmt dieser Mittelraum die gesamte Höhe des Baukerns ein und findet in der Kuppel seinen oberen Abschluss. Die Logik in der Anordnung der Räume soll den Zusammenhang zwischen geistigem Mittelpunkt des Gebäudes und natürlicher Umgebung schaffen. Sie holt die natürliche und soziale Umwelt in das eigene Haus, wenn frohe Feste zu genießen sind. Sie erlaubt ebenso die Überwachung der Nachbarschaft aus der Distanz, der erhobenen Lage durch den hinter seinen Säulenfassaden unmerklich beobachtenden Grundherrn und Hausbesitzer.

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"In allen Villenbauten setzte ich ein Frontispiz vor die Hauptfassade, wo sich die Haupteingänge befinden, wie solche Frontispize den Zugang zum Haus anzeigen und sehr zur Bedeutung und Schönheit des Bauwerks beitragen, da solcherart die Hauptfassade stark hervorgehoben wird gegenüber den übrigen Seiten. Außerdem sind solche Frontispize gut geeignet für die Aufnahme der Wappen des Bauherrn, die man gewöhnlich im Zentrum der Hauptschauseite anbringt. Genauso verfuhr auch die Antike in ihren Bauten. Vitruv gibt Anweisungen, wie dies zu geschehen hat."

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Um sein Konzept trotz knapper Bausumme umsetzen zu können, muss sich Palladio mit Ersatzkonstruktionen behelfen, die steinerne Bauteile vortäuschen. Die Säulen sind zwischen gehauener Basis und gemeißeltem  Kapitell mit Ziegeln aufgemauert. Die Decke des Portikus besteht nur aus einer verputzten Lattung. Der Architrav scheint mit Brettern und Winkeleisen vorgetäuscht. Der Dachstuhl der vier Eingangshallen sitzt demnach unmittelbar auf den Säulen. Der gewölbte Unterbau lässt erkennen, wie weit im venezianischen Hinterland das Maurerhandwerk entwickelt war. Die Lastabtragung des Tonnengewölbes wird von fischgrätförmig gestellten Backsteinen aufgenommen. Goethe urteilt in seiner "Italienischen Reise" am 19. September 1786 nachsichtig über Palladios  ungewöhnliche Verbindungen von Ziegelmauerwerk, hölzerner Scheinarchitektur und edler Steinmetzarbeit. :  "Denn Säulen und Mauern zu verbinden bleibt doch immer ein Widerspruch. Aber wie er das untereinander gearbeitet hat, wie er durch die Gegenwart seiner Werke imponiert und vergessen macht, dass er nur überredet! Es ist wirklich etwas Göttliches in seinen Anlagen, völlig wie die Force des großen Dichters, der aus Wahrheit und Lüge ein drittes bildet, dessen erborgtes Dasein uns bezaubert."

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