Campo Santi Giovanni e Paolo

Francesco Guardi, Der von Pius VI. im Campo Santi Giovanni e Paolo erteilte Segen, 63,5 x 78,5 cm, Oxford, Ashmolean Museum

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Blick vom Campanile am Markusplatz Richtung der Insel San Michele Francesco Guardi, Campo Santi Giovanni e Paolo, 72 x 120 cm, Paris, Louvre Francesco Albotto, Vedute des Campo dei Santi Giovanni e Paolo, Neapel, Galleria Nazionale di Capodimonte Canaletto, Il Campo dei Santi Giovanni e Paolo, 125 x 165 cm, Dresden, Gemäldegalerie

Auf dem Holzschnitt des Jacobo de Barbari ist der Platz bei "Zanipolo", wie das "Giovanni e Paolo" umgangssprachlich verkürzt wurde, aus der Vogelsicht dargestellt. Dort wo heute auf den neu aufgeschütteten "Fondamenta Nuove" das Krankenhaus gegenüber der Friedhofsinsel San Michele steht, erstreckt sich die Lagune. Einige Flösse mit Bauholz treiben auf dem Wasser. Deutlich erkennen wir die Kirche Santi Giovanni e Paolo. Sie gehört zu den bedeutendsten Bauten der italienischen Gotik. Die 1333 begonnene Dominikanerbasilika mit ihrem steil erbauten dreischiffigen und fünfjochigen Langhaus, mit dem überhöhten Mittelschiff, den Lichtgaden, dem breiten Querschiff und der Apsis mit Chorkapelle und je zwei Nebenkapellen. Die größte Kirche Venedigs steht also fern vom Markusplatz am nördlichen Stadtrand. Hier befindet sich die letzte Ruhestätte von fünfundzwanzig Dogen. Nordwestlich davon steht die "Scuola grande di San Marco". Sie wurde von den Gebrüdern Lombardo begonnen und 1495 von Mauro Coducci für die Markusbruderschaft erbaut. 

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St. Johannes und Paul auf dem Holzschnitt des Jacobo de Barbari aus dem Jahre 1500 Ansicht vom Turm von San Giorgio Maggiore aus Emilio Vedova, Inneres von S. Giovanni e Paolo (2), 1936, Sepiatinte, laviert, 33,5 x 23,8 cm
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Blick in östlicher Richtung Grabmal des 1423 verstorbenen Dogen Alvise Mocenigo

Der Kanal der in die Lagune fließt,  heißt "Rio dei Mendicanti", der Kanal der Bettler. Über ihn führt die "Ponte del Cavallo", die Pferdebrücke, die dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni ihren Namen verdankt. Der Condottiere Colleoni soll sich für den Fall seines Sieges über die Feinde der Republik ein Standbild auf dem Markusplatz ausbedungen haben. Es wäre in Konkurrenz zur Quadriga vor der Markuskirche getreten. Letztlich bekam er eines vor dem Haus der Markusbruderschaft, weitab vom Stadtzentrum, am Rande zur Lagune.

Über seinesgleichen werden wir  in Jacob Burckhardts "Die Kultur der Renaissance in Italien" informiert :

"Von dieser Zeit an bildete sich dann jenes über alle Massen unmoralische Verhältnis zwischen den Regierungen und ihren Condottieren aus, welches für das 15. Jahrhundert charakteristisch ist. Eine alte Anekdote von denen, die nirgends und doch überall wahr sind, schildert dasselbe ungefähr so : Einst hatten die Bürger einer Stadt - es soll Siena gemeint sein - einen Feldherrn, der sie von feindlichem Druck befreit hatte; täglich berieten sie, wie er zu belohnen sei und urteilten, keine Belohnung, die in ihren Kräften stände, wäre groß genug, selbst nicht wenn sie ihn zum Herrn der Stadt machten. Endlich erhob sich einer und meinte: Lasst uns ihn umbringen und dann als Stadtheiligen anbeten. Und so sei man mit ihm verfahren ungefähr wie der römische Senat mit Romulus. In der Tat hatten sich die Condottieren vor niemand mehr zu hüten als vor ihren Brodherren; kämpften sie mit Erfolg, so waren sie gefährlich und wurden aus der Welt geschafft wie Roberto Malatesta gleich nach dem Siege, den er für Sixtus IV. erfochten (1482); beim ersten Unglück aber rächte man sich bisweilen an ihnen wie die Venezianer am Carmagnola (1432) Von Colleoni ließ sich die Republik zur Erbin einsetzen und nahm nach seinem Tode 1475 erst noch eine förmliche Konfiskation vor. Es zeichnet die Sachlage in moralischer Beziehung, dass die Condottieren oft Weib und Kind als Geiseln geben mussten und dennoch weder Zutrauen genossen noch selber empfanden. Sie hätten Heroen der Entsagung, Charaktere wie Belisar sein müssen, wenn sich der tiefste Hass nicht in ihnen hätte sammeln sollen; nur die vollkommenste innere Güte hätte sie davon abhalten können, absolute Frevler zu werden. Und als solche, voller Hohn gegen das Heilige, voller Grausamkeit und Verrat gegen die Menschen, lernen wir manche von ihnen kennen, fast lauter Leute, denen es nichts ausmachte, im päpstlichen Banne zu sterben. Zugleich aber entwickelt sich in manchen die Persönlichkeit, das Talent, bis zur höchsten Virtuosität und wird auch in diesem Sinne von den Soldaten anerkannt und bewundert; es sind die ersten Armeen der neuern Geschichte, wo der persönliche Kredit des Anführers ohne weitere Nebengedanken die bewegende Kraft ist."

Egon Friedell berichtet in der "Kulturgeschichte der Neuzeit" :

"Obgleich nun das Neue in Italien ungefähr um dieselbe Zeit eingesetzt hat wie im Norden, so ist es doch dort ganz anders aufgenommen worden. Denn während die neuen Vorstellungsinhalte sonst überall, wie wir gesehen haben, einen Zustand völliger Desorientiertheit erzeugten, wurden sie in Italien sogleich viel voller, reicher und bewusster erlebt. Dies kam daher, daß die italienische Menschheit der des übrigen Europa in nahezu allem um Generationen voraus war. Wenn man sich während der "Inkubationszeit" nach Italien begibt, so ist es, als ob man aus grauer nebliger Dämmerung in die volle Sonne träte. Oben im Norden ist alles verhangen und düster, plump und ungeformt, wirr und schwerlebig: hier empfängt uns eine völlig andere Welt.

Was zunächst in die Augen fällt, ist das entschieden und viel früher Moderne der italienischen Gesellschaft und Politik. Rittertum und Feudalismus sind restlos beseitigt, die beiden "christlich-germanischen Dummheiten" Schopenhauers: der "point d'honneur" und die "Dame" sind gänzlich verschwunden. Die Liebe ist bloßer sinnlicher Genuss oder höhere geistige Gemeinschaft, aber niemals eine Sache der Sentimentalität. An die Stelle des Vasallen ist der Condottiere getreten, für den der Krieg nicht ein romantisches Ideal darstellt, sondern ein kühles Fach und Geschäft, das, er gelernt hat und an den Meistbietenden verkauft: er liefert Schlachten wie der Schuster Stiefel oder der Maler Porträts; Person und Weltanschauung des Bestellers sind ihm gänzlich gleichgültig. Persönliche Differenzen werden nicht in komplizierten Duellen ausgetragen, sondern im Raufhandel oder durch bezahlte Bravos, am liebsten durch eine zum höchsten Raffinement gebrachte Technik des Vergiftens; von den Turnieren denken die Italiener wie ihre Vorfahren, die Römer: sie gelten ihnen als eine niedrige Schaustellung, für die die Sklaven oder die Komödianten gerade gut genug sind. Auch die Kriege sind eine reine Geldsache: wer sich genug Söldner mieten kann, ist jederzeit in der Lage, seine politischen oder kommerziellen Konkurrenten zu überfallen. Der Bürger aber denkt nicht daran, selber zur Wage zu greifen, er hat Wichtigeres zu tun: Handel, innere Politik, Wissenschaft, Kunst, Lebensgenuss, Geselligkeit füllen ihn zu vollständig aus, als daß er daran denken könnte, sich zeitraubenden militärischen Übungen zu widmen. Und nicht nur der Berufssoldat, sondern auch die Feuerwaffe gelangt in Italien am frühesten zu einer dominierenden Stellung. Die Staatskunst ist bereits völlige Realpolitik, nüchterne und subtile Abwägung der bestimmenden Faktoren, unterstützt durch eine ebenso geistreiche wie perfide Diplomatie, die besonders in Venedig bereits zur perfekten Virtuosität ausgebildet ist. Auch alle Staatsformen, die für die Neuzeit charakteristisch sind, finden sich schon zur höchsten Vollendung entwickelt: von der extrem demokratischen Republik, in der das "souveräne Volk" seinen Unfug treibt, bis zur Plutokratie, der modernen Form der Tyrannis, die die äußeren Insignien der Macht verschmäht, um desto sicherer durch kluge Intrige, geschickte Parteileitung, blendendes Mäzenatentum und den unwiderstehlichen Absolutismus des Kapitals zu herrschen."

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