Reiterstandbild des Feldherrn Bartolomeo Colleoni

von Andrea del Verrocchio

Andrea Verrochio wird um 1435 als Sohn eines Ziegelbrenners in Florenz geboren. Er lernt bei einem Goldschmied plastisches Gestalten und den Umgang mit der Gusstechnik. Er schult sich an der Schärfe und Detailfreude, die ihm die Ziselierkunst des Goldschmieds bietet  Er interessiert sich über das Handwerk hinaus für Malerei, Plastik und Bauplastik. Er unternimmt intensive Studien in Anatomie, Mathematik und Optik. Er analysiert zeichnerisch den menschlichen Körper, verfolgt die präzise Modellierung in Malerei und Plastik. Zu seinen ersten erhaltenen Werken gehört die Bronzefigur eines «David» im Bargello in Florenz, dessen Datierung zwischen 1465 und 1476 schwankt. Sie wurde ursprünglich als Brunnenfigur für die Medici-Villa in Coreggi geschaffen. Am 30.7. 1479 beschließt die Signoria in Venedig die Errichtung der Reiterstatue für den Condottiere Colleoni. Verrocchio fertigt 1479/88 das Modell. 1481 wird ein Wachsmodell des Denkmals ausgestellt. Im selben Jahr erwirkt der ferraresische Gesandte in Florenz für Verrochios Tonmodell des Pferdes freies Geleit. Verrochio bestimmt in seinem Testament vom 25. 6. 1488 seinen Schüler Lorenzo di Credi zur Vollendung des Werkes. Der Senat hält sich aber nach dem bald folgenden Tod des Meisters nicht an diese Bestimmung, sondern erteilt Alessandro Leopardi den Auftrag. Er soll die ruhmvoll begonnene ("cum multa laude ceptam") Reiterfigur des Colleoni vollenden. Im August 1492 wird der Reiter, ein Jahr später das ganze Tonmodell fertiggestellt. Bronzeguss und Sockel werden  im Jahre 1496 ausgeführt. 1505 stellt Leopardi die 1501 begonnenen Fahnenhalter auf dem Markusplatz fertig.

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Jacob Burckhardt, Der Cicerone :

"Außerhalb Toskanas ist von Verocchio nur ein namhaftes Werk vorhanden: die eherne Reiterstatue des Feldherrn Colleoni vor S. Giovanni e Paolo zu Venedig. Sie wurde von Verocchio bloß modelliert und von Alessandro Leopardo gegossen, der auch das schöne Piedestal entwarf. In der Gestalt und Haltung des Reiters ist Verocchio hier so herb individualistisch als irgendein damaliger florentinischer Porträtbildner; wir dürfen glauben, dass Colleoni sich zu Pferde vollkommen so stämmig gespreizt ausnahm; aber auch das Bedeutende des Kopfes und der Gebärde - mag sie auch keine glücklichen Linien bilden - ist mit großer Sicherheit wiedergegeben. Das Pferd ist merkwürdig gemischt der Kopf nach antikem Vorbild, die Bewegung wahrscheinlich nach dem Pferde Marc Aurels, das übrige Detail nach emsigstem Naturstudium. Von diesem Colleoni und von Donatellos Gattamelata sind dann die hölzernen und vergoldeten Reiterstatuen in S. M. Frari und S. Giovanni e Paolo zu Venedig abgeleitet. wurde mit der Zeit Sitte, daß die Republik ihre Generale auf diese Weise ehrte. Im Stil ist keine davon besonders ausgezeichnet. Eine aus dem 17. Jahrhundert - die späteste - offenbart schon das damals allverbreitete Streben nach Affekt durch heftigen Galopp über Kanonen und verwundete Feinde."

Giorgio Vasari, Lebensgeschichten :

"Andrea fand viel Vergnügen daran, in Gips zu formen und Abgüsse zu machen. Man pflegt diesen Gips aus einem sehr weichen Stein zu bereiten, den man in Volterra, Siena und vielen anderen Gegenden Italiens gräbt; am Feuer gebrannt, fein gestoßen und mit lauem Wasser geknetet, wird er so weich, daß man damit abformen kann, was man will, verhärtet und verdichtet dann aber so, daß man ganze Figuren darin ausgießen kann. Mit solchen Formen pflegte Andrea natürliche Gegenstände abzuformen, um sie mit größerer Bequemlichkeit vor Augen zu haben und nachzuahmen: Hände, Füße, Knie, Beine, Arme und Rümpfe. Nachher fing man zu seiner Zeit auch an, mit wenig Kostenaufwand in dieser Art die Angesichter von Verstorbenen nachzuahmen, und es sind deshalb in allen Häusern in Florenz über Kaminen, Türen, Fenstergesimsen und anderen Vorsprüngen eine unendliche Menge solcher Bildnisse zu sehen, so gut ausgeführt, daß sie der Natur gleich erscheinen. Dieser Brauch, welcher von da an stets fortdauerte, hat mir zu großem Nutzen gereicht, indem ich dadurch viele Bildnisse erhielt, welche ich bei den Gemälden im Palast des Herzogs Cosimo anbrachte, und sicherlich müssen wir der Kunst Andreas großen Dank zollen, der dieses Verfahren zuerst in Ausführung brachte. "

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"Unterdessen wollten die Venezianer die großen Verdienste des Bartolommeo aus Bergamo, der ihnen viele Siege errungen hatte, durch ein Denkmal ehren; sie glaubten dadurch den Mut anderer zu stärken, und da der Ruf Andreas zu ihnen gedrungen war, beriefen sie ihn und trugen ihm auf, die Reiterstatue jenes Feldhauptmanns zu verfertigen, die auf dein Platze S. Giovanni und Paolo errichtet werden sollte. Schon hatte Andrea das Modell zum Pferde vollendet und angefangen, es mit Rüstzeug zu versehen, um es in Bronze zu gießen, als unter Begünstigung einiger Edelherren der Entschluß gefaßt wurde, Vellano aus Padua solle die Figur, Andrea nur das Pferd arbeiten. Kaum war dieser hiervon unterrichtet, so zerbrach er Kopf und Füße seines Modells und kehrte ganz erbittert und ohne ein Wort zu sagen, nach Florenz zurück. Hierauf ließ die Signoria von Venedig ihm kund tun, er solle nie mehr wagen, nach ihrer Stadt zu kommen, wenn er nicht seines Kopfes verlustig gehen wolle. Auf diese Drohung entgegnete Andrea in einem Briefe, er werde sich wohl davor hüten, denn es stehe nicht in ihrer Macht, den Menschen für abgeschnittene Köpfe neue aufzusetzen, nicht einmal seinem Pferd, dem er einen schöneren anstatt des zerbrochenen hätte wiedergeben können. - Diese Antwort war den Herren nicht mißfällig, sie beriefen Andrea mit verdoppeltem Gehalt nach Venedig zurück; er kam, stellte sein Modell wieder her und goß es in Bronze, konnte es jedoch nicht ganz zu Ende bringen, denn er erkältete sich bei der Arbeit des Gießens sehr heftig und starb nach wenig Tagen in jener Stadt. Bei diesem Werke war nur noch wenig auszuputzen, und es kam an seinen bezeichneten Platz; außerdem blieb durch den Tod Andreas auch zu Pistoja eine seiner Arbeiten unvollendet: das Grabmal des Kardinals Forteguerra, mit den drei theologischen Tugenden und einem Gottvater darüber geziert, welches der florentinische Bildhauer Lorenzetto zu letzter Vollkommenheit brachte."

Reiterstandbild des Gattamelata von Donatello in Padua

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