Steinbildhauerei

Während auf Canalettos Ansicht das Bildhauerleben in Venedig mühselig, aber malerisch dahinfließt, wird in der tatsächlichen Bauhütte millimetergenaue Präzisionsarbeit geleistet. Die vorgezeichneten Abmessungen müssen genau eingehalten werden, wenn das fertige Werkstück seinen Platz bündig einnehmen soll.  Es muss eindringendem Wasser und womöglich Frostbruch trotzen. Zwischendurch wird der Steinstaub von der bearbeiteten Oberfläche gekehrt. Dann kann mit dem Stahllineal nachgemessen werden, wie weit noch in den Stein eingedrungen werden muss. Die Werkstatt ist sauber aufgeräumt. An der Wand im Hintergrund des dritten Bildes hängt ein großer Terminkalender. Am Fenster lehnen die in einer eigenen Schmiede selbst hergestellten Werkzeuge. Zur Arbeit ist nicht nur Körperkraft nötig. Zuerst wird räumliches Vorstellungsvermögen gebraucht, um zielsicher aus den gezeichneten Steinoberflächen zu den plastischen Formen vordringen zu können. Nirgends darf zuviel weggeschlagen werden, sonst ist der Stein "verhauen". Die Führung des Eisens verlangt manuelles Geschick und Erfahrung, wenn zarte Kehlungen oder saubere Kanten vorbildgetreu hergestellt werden sollen. Die fliegenden Steinsplitter und der aufwirbelnde Staub erschweren dem Bildhauer die sofortige Überprüfung der Wirkung seiner einzelnen Hiebe. Gespannt verfolgt er in jedem Augenblick den Fortschritt seiner Arbeit.

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Hier liegt das Werkzeug. Seine Form hat sich seit Jahrtausenden nicht verändert. Computergesteuerte Steinbearbeitungsmaschinen können Massenware in hohen Stückzahlen herstellen. Für das passgenau gefertigte Einzelstück am Bau, für anspruchsvolle handwerkliche Aufträge und künstlerische Aufgaben ist immer noch die Handarbeit unersetzlich.

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In der Werkstatt des Bildhauers auf dem Kupferstich von Abraham Bosse aus dem Jahr 1642 wird das Spitzeisen wie ein Luxusgegenstand zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten. Am Sockel des Standbildes lehnt wieder ein Greifzirkel. Auf dem Regal im Hintergrund wird eine steinerne Wappenkartusche mit Kardinalshut angeboten. Venus und Amor steht neben Chronos samt Putto. Darunter lagern Porträtbüsten und ein kleiner Rossebändiger. Das modisch herausgeputzte Paar interessiert sich für eine Statuette.

In der folgenden Bilderserie sehen wir, wie sich der Bildhauer ohne irgendwelche mechanische Orientierungshilfen, Bohrer, Zirkel oder Lineal an die plastische Form herantastet. Die Spuren der Steinbearbeitung lassen erkennen, wie er vorsichtig, aber wegen des harten Materials mit kräftigen Schlägen den gesuchten Körper aus seiner Umgebung freilegt, ihn teilweise in den Höhlungen und Vorsprüngen des Felsblockes verfolgt. Aus verschiedenen Blickwinkeln läßt sich die allansichtige Wirkung der Skulptur erfassen. Das Spiel des Lichtes auf der Steinoberfläche gibt bereits einen Eindruck von der Fernwirkung des Erreichten. Die Bearbeitungsspuren beweisen die Mühe des Bildhauers, scheinen aber im gleichen Maße die Plastik zum Leben zu erwecken.

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Der unten sichtbare Sandstein ist wesentlich leichter zu bearbeiten, als der obige Marmor. Mit dem Punktiergerät können Messpunkte vom Gipsabguss einer Tonplastik auf den Stein übertragen werden. Mit dem Bohrer lässt sich genau die Tiefe im Steinblock markieren, bis zu der mit dem Meißel vorgedrungen werden soll. Ein Verhauen des Steins wird vermieden. Der disziplinierende Widerstand des Materials bei der Planung und Ausarbeitung der Skulptur wird rasch überwunden. Effektvolle oberflächliche Wirkungen sind leicht und gefahrlos zu erzielen. Das Bewusstsein der dreidimensionalen Verhältnisse, des Aufbaues der noch im Steinblock verborgenen Gestalt geht zusehends verloren.

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Im Marmorsteinbruch

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Die Schnitte der Steinsäge durch den gewachsenen Fels sind deutlich zu verfolgen Reststücke und Abraum bleiben liegen. Der Steinbruch wandert zu immer neuen Stellen des Berges. Die Bohrlöcher zeichnen sich in der Oberfläche des Marmorblockes deutlich ab Der linke Arbeiter hält den Pressluftbohrer, während der rechte hockende Mann die Spitze führt.

 

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Die Drähte der Steinsägen laufen über solche Umlenkrollen Ein Elektromotor treibt ein Rad, über das ein endloser Sägedraht bewegt wird. Die vier Rollen des Antriebsgerätes stehen auf Schienen. So kann der Draht beim Sägen nachgespannt werden. Über dem Steinblock wirbelt Staub. Am Boden stehen Pfützen des Kühlwassers für den Sägedraht.