Tintoretto, Markus wirkt viele Wunder, 1562 -1566 Öl auf Leinwand, 396 x 400 cm Pinacoteca di Brera, Mailand

Zu sehen sind drei  Heilungswunder des venezianischen Stadtpatrons: die Erweckung eines Toten, die Heilung eines Blinden sowie eine Teufelsaustreibung. St. Markus ruft selbst einen aus der Gruft entnommenen Leichnam zurück in das Leben. Aus dem Besessenen entweicht durch seinen Einfluss eine sich teuflisch schlängelnde nebelige Spukgestalt, vor der zwei Beobachter zurückweichen. Im dunklen Hintergrund deutet eine knieende Gestalt auf ihr soeben wiedererlangtes Augenlicht. 
Auftraggeber für das Gemälde ist der Arzt und Universalgelehrte Tomaso Rangone aus Ravenna. Der Vorsitzende der Großen Markusbruderschaft wird an prominenter Stelle als Zeuge des Wunders in Szene gesetzt. Der Stifter, der sich selbst große Heilkräfte zuschreibt, hat sich zwar kniend, aber im golddurchwirkten Gewand eines  »Cavalier aurato" darstellen lassen. Den Titel des »Goldenen Ritters« hatte ihm kurz zuvor der Doge Girolamo Priuli verliehen. Das Licht in dem finsteren Bogengang geht vom heiligen Markus aus. Um sein Haupt spielt eine zarte Aureole. Die Fluchtlinien der zentralperspektivischen Konstruktion laufen auf seine ausgestreckte Linke zu. Er selbst und die Figuren im Vordergrund werden von einer Lichtquelle rechts oben außerhalb des Bildes beschienen. Die segensreiche Helligkeit kommt von einem unsichtbaren Himmel, erreicht den wundertätigen Heiligen, der es in die Tiefe des düsteren Raumes weiterleitet. Die rechteckige Öffnung im Bildhintergrund scheint vom Tageslicht außerhalb des Gebäudes indirekt erhellt zu werden. Die Fackel dient demnach dem sicheren Vordringen in das lichtlose Gewölbe. Der Maler untersucht aufmerksam die Auswirkungen der unterschiedlichen Lichtquellen auf den Raum und die Personen. Dabei verfolgt er ein religiöses Anliegen. Der Sohn des Seidenfärbers Robusti  ist nicht nur befreundet mit den ersten Edelleuten von Venedig, die ihm solche repräsentativen Aufträge wie für den Kapitelsaal der Scuola Grande di S. Marco zukommen lassen.  Er verkehrt mit gelehrten Patres, die ihn offenbar bei seinen religiösen Darstellungen aufs eingehendste beraten.